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Musterung bei der Bundeswehr: Ablauf, Tests und Ergebnis

Musterung ab dem 1. Juli 2027: Wer muss hin, wie der Tag abläuft, welche Untersuchungen anstehen und was der Tauglichkeitsgrad danach bedeutet.

Soldaten in Bundeswehr Uniform stehen in Formation während eines feierlichen Appells vor dem Brandenburger Tor.

Ab dem 1. Juli 2027 wird die Musterung für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 wieder zur Pflicht. Das hat die Bundesregierung so angekündigt, und damit betrifft ein Verfahren wieder Hunderttausende junge Menschen, das seit dem Aussetzen der Wehrpflicht 2011 kaum noch eine Rolle spielte. Viele Eltern kennen die Musterung noch aus eigener Erfahrung, doch das Verfahren hat sich verändert.

Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, was auf die betroffenen Jahrgänge zukommt: vom Brief der Bundeswehr über den Fragebogen zur Wehrerfassung bis zum Musterungsbescheid. Sie erfahren, wer erscheinen muss, wie ein Musterungstag abläuft, welche Untersuchungen dazugehören, was die einzelnen Tauglichkeitsgrade bedeuten und was nach dem Ergebnis passiert. Alle Angaben stammen aus offiziellen Quellen von Bundeswehr, Verteidigungsministerium und Bundesregierung sowie aus der aktuellen Berichterstattung.

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Moderner Wartebereich im Karrierecenter der Bundeswehr mit Stehtischen und Monitoren für die Musterung.

Musterung: Was sie feststellt und was sie nicht bedeutet

Die Musterung ist eine Untersuchung, mit der die Bundeswehr die körperliche, psychische und intellektuelle Eignung sowie die Neigung einer Person für den Dienst in den Streitkräften feststellt. So beschreibt es die Bundeswehr selbst, und das Bundesministerium der Verteidigung formuliert es im Rahmen des Neuen Wehrdienstes ähnlich. Kurz gesagt: Es geht um die Frage, ob jemand den Anforderungen des Soldatenberufs grundsätzlich gewachsen wäre.

Wichtig ist der zweite Teil der Antwort, der oft untergeht. Das Ergebnis der Musterung ist noch keine Einberufung. Wer als wehrdienstfähig eingestuft wird, ist damit nicht automatisch verpflichtet, Wehrdienst zu leisten. Die Musterung dient nach Darstellung der Tagesschau und der Bundesregierung zunächst nur der Erfassung der Wehrdiensttauglichkeit. Der Schritt vom Ergebnis zum tatsächlichen Dienstantritt ist ein eigener, davon getrennter Vorgang.

Ebenso wenig ist die Musterung eine Bewerbung. Sie sagt nichts darüber aus, ob jemand eine bestimmte Laufbahn ergreifen kann oder will. Sie liefert eine Grundlage, mehr nicht.

Musterung und Eignungsfeststellung sind nicht dasselbe

In der öffentlichen Debatte werden zwei Verfahren häufig vermischt. Die Musterung ermittelt die grundsätzliche Tauglichkeit. Die Eignungsfeststellung im Karrierecenter der Bundeswehr prüft dagegen, ob jemand für eine konkrete Laufbahn oder eine bestimmte Verwendung geeignet ist. Beide gehören zum Gesamtprozess der Nachwuchsgewinnung, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke und laufen unterschiedlich ab.

Der Unterschied wirkt sich praktisch aus. Wer sich für eine Dienstzeit von zwei Jahren oder länger als Soldat auf Zeit verpflichten möchte, durchläuft laut Bundeswehr zusätzliche Stationen, unter anderem ein Gespräch mit einer Assessmentkommission. Für die reine Pflichtmusterung eines kompletten Jahrgangs ist dieser erweiterte Teil der Eignungsfeststellung nicht vorgesehen.

Für die betroffenen Jahrgänge heißt das: Die Musterung ist der erste, standardisierte Schritt. Eine ausführlichere Eignungsfeststellung kommt nur dann dazu, wenn jemand tatsächlich eine militärische Laufbahn anstrebt. Wer nur der gesetzlichen Pflicht nachkommt, muss sich mit den Details der Eignungsfeststellung nicht beschäftigen.

Wer zur Musterung muss und ab wann

Der erste verpflichtend zu musternde Geburtsjahrgang ist laut Bundesregierung der Jahrgang 2008. Betroffen sind Männer, sobald sie volljährig sind. Die flächendeckende verpflichtende Musterung soll ab dem 1. Juli 2027 beginnen. Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz selbst tritt nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung bereits zum 1. Januar 2026 in Kraft, die vollständigen Kapazitäten für ganze Jahrgänge stehen aber erst ab Mitte 2027 bereit.

Für Frauen bleibt beides freiwillig: der Fragebogen und die Musterung. Eine Wehrpflicht für Frauen gäbe es nur nach einer Änderung des Grundgesetzes, die nach Einschätzung der herangezogenen Quellen mit den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen im Bundestag als unwahrscheinlich gilt. Frauen können sich weiterhin freiwillig mustern lassen und freiwillig Wehrdienst leisten.

Maßgeblich ist der eingetragene Geschlechtseintrag. Transpersonen mit männlichem Geschlechtseintrag sind nach Angaben der Bundeswehr von der Pflicht zur Erklärung und zur Musterung erfasst.

Maßnahme Männer Frauen
Kontaktaufnahme der Bundeswehr mit Informationen zum Wehrdienst alle in einem Jahrgang alle in einem Jahrgang
Ausfüllen eines Fragebogens mit Infos zu Gesundheit, Fitness, Motivation Verpflichtend für alle Angehörige eines Jahrgangs Freiwillig
Musterung Verpflichtend für alle Angehörige eines Jahrgangs Freiwillig
Ableistung des Wehrdienstes Zunächst freiwillig Freiwillig
Verpflichtung zum Wehrdienst Bei mangelnden Freiwilligen wohl via Losverfahren Freiwillig
Kriegsdienstverweigerung Aus Gewissensgründen möglich (Grundgesetz Artikel 4)

Bis zu welchem Alter gilt die Wehrpflicht?

Hier lohnt eine saubere Trennung. Die neue flächendeckende Musterungspflicht knüpft an den Jahrgang 2008 und die Volljährigkeit an. Davon zu unterscheiden ist die allgemeine Wehrpflicht als solche: Die herangezogenen Quellen nennen dafür grundsätzlich ein Alter von 18 bis 45 Jahren. Im Spannungs- und Verteidigungsfall kann sie bis zum 60. Lebensjahr reichen.

Die Wehrpflicht ist im Grundgesetz als Pflicht aller männlichen Deutschen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr verankert. Die gesetzliche Verpflichtung zur Ableistung des Grundwehrdienstes ist laut Bundesregierung jedoch seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt. Wer heute Wehrdienst leistet, tut das auf freiwilliger Basis. Auch für einen Spannungs- oder Verteidigungsfall gilt: Frauen können nach der aktuellen Gesetzeslage zur Mitarbeit in zivilen Sanitäts- und Heileinrichtungen verpflichtet werden, nicht aber zu einem Dienst an der Waffe.

Der Weg beginnt mit dem Fragebogen zur Wehrerfassung

Junge Frau füllt auf einem Tablet PC ein digitales Formular für den Fragebogen zur Wehrerfassung aus.
Vor der Musterung steht die Wehrerfassung. Kurz nach dem 18. Geburtstag erhalten die jungen Deutschen einen Brief der Bundeswehr mit einem QR-Code, der zu einem digitalen Fragebogen führt. Nach Angaben der Bundeswehr sind jährlich circa 350.000 Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit betroffen, die das 18. Lebensjahr vollenden.

Der Fragebogen zur Wehrerfassung fragt zunächst Grundsätzliches ab: Name, Alter, Anschrift, Mailadresse. Dann geht es um den Stand der Schulbildung, um eine eventuell bereits abgeschlossene Berufsausbildung und um den Führerschein. Auch Körpergröße, Gewicht und eine Selbsteinschätzung der eigenen körperlichen Fitness gehören dazu. Die Bundeswehr gab gegenüber der Tagesschau an, dass das Ausfüllen nur wenige Minuten dauern soll.

Der wichtigste Punkt ist die Frage nach dem Interesse an der Bundeswehr. Die jungen Männer und Frauen ordnen sich dafür auf einer Skala zwischen 0 für gar kein Interesse und 10 für großes Interesse ein. Wer angibt, freiwillig Wehrdienst leisten zu wollen, gibt zusätzlich Kontaktdaten an und soll dann zur Musterung eingeladen werden, sofern sich aus den Antworten eine grundsätzliche Tauglichkeit ableiten lässt. Diese Angabe wirkt in der Praxis wie eine erste Bereitschaftserklärung, auch wenn sie noch keine rechtliche Bindung erzeugt.

Frist, Pflicht und mögliche Bußgelder

Für das Ausfüllen und Zurücksenden des Fragebogens nennt die Bundeswehr eine Frist von einem Monat. Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für Frauen freiwillig.

Wer als Mann nicht antwortet, wird zunächst erinnert. Bleibt es dabei, droht ein Bußgeld, denn den Fragebogen nicht auszufüllen gilt als Ordnungswidrigkeit. Genauso wird es gewertet, wenn jemand bewusst falsche Angaben macht. Das Verteidigungsministerium hat das an einem plakativen Beispiel erklärt: Wer angibt, 1,60 Meter groß zu sein und 200 Kilogramm zu wiegen, und bei der Musterung stellt sich heraus, dass das nicht stimmt, riskiert genau diese Folge.

Die Bereitschaftserklärung zum freiwilligen Dienst ist davon unabhängig. Eine ehrliche Null auf der Interessenskala ist zulässig und hat für sich genommen keine Konsequenzen. Falsche Angaben zu Gesundheit oder Körpermaßen dagegen schon.

Musterungszentren, Anreise und Dauer

Modernes Untersuchungszimmer mit Behandlungsliege, Skelettmodell und medizinischer Ausrüstung für die Musterung.
Für die neue flächendeckende Musterung sind bundesweit 24 Musterungszentren vorgesehen. Bis diese Standorte aufgebaut sind, finden die Untersuchungen auch in den Karrierecentern der Bundeswehr statt. Nach Darstellung von BR24 soll es bis Mitte 2027 bundesweit 24 solcher Musterungszentren geben.

Der Aufbau ist der Grund für den späten Start. Weil die Musterungszentren erst entstehen und zusätzliches ärztliches Personal gebunden werden muss, dauert es, bis komplette Männerjahrgänge gemustert werden können. Stehen Mitte 2027 tatsächlich alle Standorte, muss die Bundeswehr laut BR24 zunächst einen Rückstau ab dem Jahrgang 2008 abarbeiten. Für Betroffene heißt das: Die Einladung kann deutlich später kommen als der 18. Geburtstag.

Die gesamte Musterung ist als Verfahren von höchstens einem Tag angelegt. Wartezeiten, die Zahl der notwendigen Untersuchungen und die individuelle Situation können die tatsächliche Dauer beeinflussen, einen einheitlichen festen Stundenwert nennen die offiziellen Quellen nicht. Bei besonders weiter Anreise sind laut Bundeswehr und BR24 kostenlose Übernachtung und Verpflegung in einer Kaserne möglich, damit niemand unausgeruht in den Termin startet.

Für Berufstätige und Auszubildende ist ein Punkt wichtig: Nach Angaben der Tagesschau muss der Arbeitgeber die zu musternde Person für den Termin freistellen und trotzdem Lohn zahlen.

Welche Unterlagen mitgebracht werden sollten

Was genau verlangt wird, steht im Einladungsschreiben. Nach sind je nach persönlicher Situation vor allem folgende Dokumente relevant:

  • Personalausweis oder Reisepass sowie das Einladungsschreiben, das an der Pforte vorgezeigt wird
  • Schulabschlusszeugnis, sofern vorhanden
  • Impfpass und Brillenpass, falls zutreffend
  • vorhandene ärztliche Befunde und Berichte
  • eine Auflistung ärztlich verschriebener Medikamente
  • Allergiepass oder Notfallpass, falls vorhanden

Ärztliche Unterlagen müssen nicht extra beschafft werden. Organisiert die Bundeswehr fehlende Befunde bei Bedarf selbst. Mitzubringen ist, was ohnehin zu Hause liegt.

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Ablauf der Musterung: die drei Hauptteile

Ein Mann blickt für einen Sehtest während einer medizinischen Untersuchung konzentriert in ein augenärztliches Gerät.
Die Musterung ist laut Tagesschau in drei Hauptteile gegliedert: die ärztliche Untersuchung, den computergestützten CAT-Test und ein persönliches Gespräch. Alle drei Stationen werden in der Regel an einem einzigen Tag absolviert. Die Bundeswehr beschreibt das Verfahren ausdrücklich als auf diese drei Bausteine reduziert, damit es schnell und effizient durchgeführt werden kann.

Die ärztliche Untersuchung

Bei der wehrmedizinischen Begutachtung wird festgestellt, ob eine Person den Belastungen des Soldatenberufs körperlich gewachsen ist. Vorab gibt es eine Befragung zur gesundheitlichen Vorgeschichte, den sogenannten Anamnesebogen. Abgefragt werden Erkrankungen, Operationen, Behandlungen und Medikamente, ähnlich wie bei einem regulären Arzttermin.

Danach folgt die eigentliche Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte prüfen laut Bundeswehr unter anderem Gehör, Sehkraft und Blutdruck sowie die allgemeine körperliche Belastbarkeit. Dazu gehören auch der Rücken und die Gelenke. Erhoben werden außerdem Körpergröße und Gewicht, hinzu kommt eine Urinuntersuchung. Aus diesen Befunden entsteht ein Gesamturteil.

Das medizinische Ergebnis dient nicht nur der Feststellung der grundsätzlichen Wehrdienstfähigkeit. Es wird auch mit möglichen militärischen Verwendungen abgeglichen. Die Bundeswehr nennt dafür ein anschauliches Beispiel: Wer eine Farbsehschwäche hat, könnte keine fliegerische Verwendung ausüben, weil dort das korrekte Erkennen von Signalfarben lebenswichtig ist. In einer anderen Verwendung kann dieselbe Person aber sinnvoll eingesetzt werden. Am Ende wissen alle Gemusterten genau, für welche Bereiche sie aus medizinischer Sicht geeignet sind.

Ein Punkt sorgt regelmäßig für Verwirrung: Ein sportlicher Leistungstest gehört nach den offiziellen Darstellungen von Bundeswehr, Verteidigungsministerium und Tagesschau nicht zum Standardumfang der Musterung. BR24 hat in einem Beitrag von einem einfachen Fitnesstest berichtet, diese Angabe wird von den offiziellen Stellen jedoch nicht bestätigt. Ein Basis-Fitness-Test ist Teil der weitergehenden Eignungsfeststellung für bestimmte Laufbahnen, nicht der Pflichtmusterung.

Der CAT-Test

Ein wesentlicher Baustein ist der Computerassistierte Test, kurz CAT-Test. Er findet in einem ruhigen Raum statt und besteht aus mehreren Testverfahren. Geprüft werden laut Bundeswehr und Tagesschau unter anderem logisches Denken, Sprachfähigkeiten, technisches Verständnis, Reaktionsfähigkeit, Konzentration und räumliches Vorstellungsvermögen. Dazu kommt eine Selbsteinschätzung.

Die Aufgaben sind kein Fachwissenstest. Typisch sind Übungen, bei denen man schnell Muster erkennen oder einfache Rechenaufgaben unter Zeitdruck lösen soll. Der CAT-Test misst also eher Denk- und Auffassungsfähigkeit als schulisches Vorwissen.

Abgeschlossen wird diese Station durch ein Gespräch mit der Testleitung oder, falls nötig, mit psychologischem Personal. Dort lassen sich offene Aspekte und Fragen klären. Die Bundeswehr beschreibt das Ziel als faire Ermittlung dessen, wo die individuellen Stärken und Herausforderungen liegen. Ein gesondertes psychologisches Gespräch ist nach den vorliegenden Angaben nur im Ausnahmefall oder bei besonderen Auffälligkeiten vorgesehen.

Vorbereiten lässt sich der CAT-Test nur begrenzt. Wer ausgeruht erscheint und die Aufgabenstellungen aufmerksam liest, holt aus der Station meist mehr heraus als jemand, der die Nacht davor kaum geschlafen hat.

Das persönliche Gespräch

Der dritte Teil ist ein persönliches Gespräch. Thema sind unter anderem das Allgemein- und Gesundheitsbefinden, außerdem Motivation, Persönlichkeit und individuelle Aspekte. Auch Teamfähigkeit und der Umgang mit Belastungen oder schwierigen Situationen können angesprochen werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums fließt die persönliche und charakterliche Eignung in die Gesamtbeurteilung ein.

Wer sich für einen Dienst von zwei Jahren oder länger interessiert, durchläuft zusätzlich ein Gespräch mit einer Assessmentkommission. Dort geht es laut Bundeswehr nicht darum, Fachbegriffe auswendig zu lernen, sondern um die eigene Person. Gefragt wird zum Beispiel, warum man zur Bundeswehr möchte, wie man mit schwierigen Situationen in einer Gruppe umgeht oder wie man sich die Trennung von Familie und Freunden während des Dienstes vorstellt. Entscheidend ist ein ehrliches und authentisches Auftreten.

Untersuchung des Intimbereichs: der sogenannte Hodengriff

Kaum ein Detail der Musterung wird so oft diskutiert wie die kurze Abtastung des männlichen Intimbereichs. Tagesschau und MDR beschreiben sie als Bestandteil beziehungsweise beibehaltene Untersuchung der Musterung.

Der Zweck ist medizinisch. Nach Angaben einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums gegenüber dem MDR erfolgt die Abtastung unter anderem zur Früherkennung von Veränderungen, die später schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben könnten. Genannt werden Zysten, Knoten, Hodenkrebs und andere Auffälligkeiten. Für die Altersgruppe der 18-Jährigen ist das keine Nebensächlichkeit, weil Hodenkrebs gerade bei jungen Männern auftritt.

Zur Frage, ob die Untersuchung Pflicht ist, verweist der MDR auf eine Sprecherin der Bundeswehr: Demnach handelt es sich um einen kurzen Eingriff, der im Einverständnis der zu musternden Person erfolgt. Durchgeführt wird er von ärztlichem Fachpersonal. Eine freie Arztwahl gibt es dabei nach der zitierten Berichterstattung nicht.

Bei Frauen gibt es laut BR24 und MDR keine routinemäßige Untersuchung der Genitalien. Stattdessen bringen weibliche Bewerberinnen in der Regel ein frauenärztliches Attest mit, das nicht älter als zwölf Monate ist.

Musterungsergebnis, Tauglichkeitsgrade und Verwendungsgrade

Am Ende steht der Musterungsbescheid. Dieses Schreiben fasst alle Befunde zu einem Gesamturteil zusammen, dem Musterungsergebnis. Die daraus abgeleiteten Tauglichkeitsgrade sind im Wehrpflichtgesetz geregelt.

Grundsätzlich unterscheidet der Bescheid drei Tauglichkeitsstufen: „wehrdienstfähig“, „vorübergehend nicht wehrdienstfähig“ und „nicht wehrdienstfähig“. Diese Einteilung nennen sowohl die Tagesschau als auch die Bundesregierung. Sie beantwortet die Grundfrage, mehr nicht.

Feiner wird es über die Verwendungsgrade. Sie beschreiben, für welche Tätigkeiten jemand aus ärztlicher Sicht einsetzbar ist. Nach den konsultierten juristischen Fachdarstellungen zum Wehrpflichtgesetz werden fünf Verwendungsgrade unterschieden. Der jeweilige Verwendungsgrad entscheidet also nicht nur über das Ob, sondern auch über das Wie eines möglichen Dienstes. Dasselbe Ergebnis gilt dabei sowohl für den Wehr- als auch für den Zivildienst.

Stufe Beschreibung
T 1 Ohne Einschränkungen verwendungsfähig
T 2 Mit Einschränkungen verwendungsfähig
T 3 Mit Einschränkungen in der Grundausbildung verwendungsfähig
T 4 Vorübergehend nicht verwendungsfähig (Zurückstellung)
T 5 Auf Dauer nicht verwendungsfähig (Ausmusterung)

Zurückstellung oder Ausmusterung?

Der Unterschied zwischen den beiden unteren Stufen ist für Betroffene der wichtigste. T4 bedeutet eine vorübergehende Nichtdienstfähigkeit, etwa nach einer heilbaren Verletzung oder während einer Behandlung. Die Einstufung kann zu einem späteren Zeitpunkt neu bewertet werden. T5 steht für eine dauerhafte Nichtdienstfähigkeit und entspricht der Ausmusterung.

Welche gesundheitlichen Gründe zu einer Ausmusterung führen, entscheidet sich individuell. Eine abschließende Krankheitsliste veröffentlichen die offiziellen Stellen nicht. Der MDR nennt als mögliche Gründe für eine Einstufung als nicht wehrdienstfähig unter anderem Blindheit, fehlende Gliedmaßen, schwere chronische Erkrankungen oder eine anerkannte Schwerbehinderung. Diese Beispiele sind ausdrücklich keine vollständige Aufzählung.

Ein niedriger Tauglichkeitsgrad ist auch kein pauschales Ausschlusskriterium für jede Tätigkeit. Wie das Beispiel der Farbsehschwäche zeigt, führen viele Einschränkungen lediglich dazu, dass bestimmte Verwendungen ausgeschlossen werden, andere aber offen bleiben.

Nach dem Musterungsbescheid: keine automatische Einberufung

Ein positives Musterungsergebnis führt nicht automatisch zu einer Einberufung. Das betonen Tagesschau, Bundesregierung und Verteidigungsministerium übereinstimmend. Die Musterung erfasst die Tauglichkeit, sie begründet für sich genommen keine Dienstpflicht.

Im derzeit vorgesehenen Modell melden sich anschließend nur diejenigen, die als tauglich gelten und freiwillig Wehrdienst leisten möchten. Die Bundeswehr formuliert es klar: Zur Truppe kommen nur Freiwillige, die bei der Musterung als tauglich getestet wurden. Ort und Datum des Dienstantritts sind dabei oft flexibel. Dasselbe gilt für Frauen, die sich freiwillig mustern lassen und als Soldatinnen dienen möchten.

Die Tauglichkeitsfeststellung eröffnet also eine Möglichkeit. Sie ersetzt weder die freiwillige Entscheidung noch die weiteren Schritte bis zum Dienstantritt, zu denen je nach Laufbahn auch eine ergänzende Eignungsfeststellung im Karrierecenter gehört.

Bedarfswehrpflicht und Losverfahren

Offen bleibt, was passiert, wenn sich zu wenige Freiwillige melden. Für diesen Fall sieht das im Neuen Wehrdienst angelegte Modell eine Verpflichtung vor, die in der öffentlichen Debatte als Bedarfswehrpflicht bezeichnet wird. Die Grundidee: Der Wehrdienst bleibt zunächst freiwillig, kann aber verpflichtend werden, wenn der personelle Bedarf anders nicht gedeckt wird.

Als möglicher Auswahlmechanismus wird ein Losverfahren genannt. Genau hier liegt der Grund, warum die flächendeckende Musterung überhaupt wieder eingeführt wird: Ohne aktuelle Erfassung eines kompletten Jahrgangs gäbe es keine belastbare Grundlage, aus der ein Losverfahren überhaupt schöpfen könnte. Die Musterung liefert die Datenbasis, die Bedarfswehrpflicht wäre der Anwendungsfall.

Wie ein solches Losverfahren im Detail ausgestaltet würde, welche Ausnahmen gelten und wie die Auswahl konkret abliefe, geht aus den vorliegenden offiziellen Quellen nicht hervor. Sicher ist nach derzeitigem Stand nur: Ein Losverfahren greift nicht automatisch mit der Musterung, sondern erst, wenn die Freiwilligenzahlen nicht ausreichen. Für den Jahrgang 2008 bedeutet die Musterung ab Juli 2027 daher zunächst genau das, was sie ist: eine Untersuchung mit Ergebnis, keine Einberufung.

Wer die Diskussion um die Bedarfswehrpflicht verfolgt, sollte diese Reihenfolge im Blick behalten. Erst Wehrerfassung, dann Musterung, dann freiwillige Meldung. Ein Losverfahren steht am Ende dieser Kette und nur unter einer Bedingung, die politisch und gesetzlich erst festgestellt werden müsste.

Nichterscheinen und Kriegsdienstverweigerung

Für Männer ab dem Jahrgang 2008 ist die Teilnahme an der Musterung mit Erreichen der Volljährigkeit verpflichtend, sobald die Vorladung erfolgt. Ein unentschuldigtes Fehlen kann laut Verteidigungsministerium als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld geahndet werden. Dasselbe gilt für unwahre oder unvollständige Angaben.

Wer aus Gewissensgründen keinen Dienst an der Waffe leisten will, muss trotzdem erscheinen. Die Tagesschau formuliert es deutlich: Auch wer bereits die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer beantragt, wird gemustert, denn ohne Musterung gibt es keine Anerkennung. Musterungspflicht und Kriegsdienstverweigerung sind zwei getrennte Verfahren.

Das Grundrecht bleibt davon unberührt. Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes lautet:

Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.

Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung muss beim Karrierecenter der Bundeswehr gestellt werden. Beratung bietet nach Angaben der Tagesschau unter anderem die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen an. Details zu Fristen, zur geforderten Gewissensbegründung und zu möglichen Ersatzdienstmodalitäten regeln die offiziellen Quellen an dieser Stelle nicht abschließend.

Praktisch heißt das für Betroffene: Die Musterung wahrnehmen, das Ergebnis abwarten und den Antrag auf Kriegsdienstverweigerung parallel oder anschließend stellen. Wer den Termin schwänzt, verbessert seine Lage nicht, sondern riskiert lediglich ein Bußgeld.

Ein Blick zurück: Musterung vor der Aussetzung 2011

Die Musterung ist kein neues Verfahren, sondern ein wiederbelebtes. Bis zum Aussetzen der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 durchliefen Jahrgang für Jahrgang Hunderttausende junge Männer diesen Termin. Die Statistiken aus dieser Zeit zeigen, wie stark sich die Einstufungen über die Jahre verschoben haben.

Jahr tauglich vorübergehend untauglich untauglich
2000 86,28% 3,68% 10,04%
2002 83,9% 3,35% 12,74%
2004 79,2% 2,9% 17,89%
2006 61,6% 9,22% 29,18%
2008 54,1% 2,62% 42,28%

Diese Zahlen stammen aus den öffentlich dokumentierten Musterungsstatistiken der Wehrpflichtzeit und sind nicht eins zu eins auf das Verfahren ab 2027 übertragbar. Die Kriterien, die medizinischen Standards und der Personalbedarf der Bundeswehr haben sich verändert. Als Orientierung taugen sie dennoch: Eine Einstufung als nicht wehrdienstfähig war in den letzten Jahren der Wehrpflicht kein Randphänomen.

Praktische Vorbereitung auf den Musterungstag

Viel vorbereiten lässt sich nicht, und das ist eine gute Nachricht. Die Musterung ist keine Prüfung, die man bestehen oder durchfallen kann. Sie stellt fest, was ist.

Drei Dinge helfen trotzdem. Erstens: Unterlagen frühzeitig zusammensuchen, insbesondere Impfpass, Brillenpass und Medikamentenlisten. Zweitens: ausgeschlafen erscheinen, weil der CAT-Test Konzentration und Reaktionsfähigkeit misst. Drittens: bei Fragebogen, Anamnese und Gespräch ehrlich antworten. Falsche Angaben fallen spätestens bei der ärztlichen Untersuchung auf und können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Für Eltern ist vor allem die Einordnung wichtig. Die Einladung zur Musterung bedeutet keinen bevorstehenden Dienstantritt und keine Einberufung. Sie ist ein Verwaltungsschritt im Rahmen der Wehrerfassung, der mit einem Musterungsbescheid endet. Was danach folgt, hängt von der eigenen Entscheidung ab und von politischen Weichenstellungen, die bis 2027 noch konkretisiert werden.

Der nächste konkrete Schritt für Betroffene des Jahrgangs 2008: den Brief der Bundeswehr aufmerksam lesen, den Fragebogen innerhalb der Monatsfrist ausfüllen und die dort angegebenen Kontaktdaten aktuell halten. Alles Weitere kommt mit der Einladung zur Musterung.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter der Musterung?

Die Musterung ist die Untersuchung, mit der die Bundeswehr die grundsätzliche körperliche, psychische und intellektuelle Tauglichkeit für den Wehrdienst feststellt. Sie ist nicht dasselbe wie die Eignungsfeststellung am Karrierecenter, die auf eine konkrete Laufbahn oder Verwendung zielt. Und sie ist noch keine Einberufung.

Wann findet die Musterung statt?

Die verpflichtende flächendeckende Musterung für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 soll ab dem 1. Juli 2027 beginnen. Das Gesetz und die ersten organisatorischen Schritte starten früher, die vollständigen Kapazitäten für ganze Jahrgänge stehen aber erst ab diesem Datum bereit.

Wer muss zur Musterung und bis zu welchem Alter?

Verpflichtet sind Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008, sobald sie volljährig sind. Frauen können Fragebogen und Musterung freiwillig absolvieren, Transmänner mit männlichem Geschlechtseintrag sind ebenfalls erfasst. Für die allgemeine Wehrpflicht nennen die Quellen grundsätzlich 18 bis 45 Jahre, im Spannungs- und Verteidigungsfall bis 60 Jahre.

Wie läuft die Musterung bei der Bundeswehr ab?

Nach Einladung und Fragebogen folgen drei zentrale Stationen: die ärztliche Untersuchung, der computergestützte CAT-Test und ein persönliches Gespräch. Geprüft werden Gesundheit, kognitive Fähigkeiten, Motivation und weitere persönliche Aspekte, bevor der Tauglichkeitsgrad feststeht.

Wie lange dauert eine Musterung der Bundeswehr?

Die Musterung ist als eintägiges Verfahren angelegt und wird normalerweise innerhalb eines Tages abgeschlossen. Wartezeiten, die Zahl der Untersuchungen und die individuelle Situation können die Dauer beeinflussen. Einen einheitlichen festen Stundenwert nennen die Quellen nicht.

Welche Krankheiten können zur Ausmusterung führen?

Die Entscheidung fällt individuell anhand des Gesundheitszustands und der Anforderungen möglicher Verwendungen. Als mögliche Gründe für eine Einstufung als nicht wehrdienstfähig nennt der MDR unter anderem Blindheit, fehlende Gliedmaßen, schwere chronische Erkrankungen oder eine anerkannte Schwerbehinderung. Diese Beispiele sind keine abschließende Liste.

Wird bei der Musterung der Intimbereich untersucht und warum gibt es den Hodengriff?

Ja, die kurze Abtastung des männlichen Intimbereichs wird in den Quellen als Bestandteil der Musterung beschrieben. Sie dient der Früherkennung von Zysten, Knoten, Hodenkrebs oder anderen gesundheitlichen Veränderungen und erfolgt nach den zitierten Angaben im Einverständnis der zu musternden Person durch ärztliches Fachpersonal.

Welche Tauglichkeitsstufen gibt es und wie wird man ausgemustert?

Der Musterungsbescheid unterscheidet grundsätzlich zwischen „wehrdienstfähig“, „vorübergehend nicht wehrdienstfähig“ und „nicht wehrdienstfähig“. Eine dauerhafte Einstufung als nicht wehrdienstfähig entspricht der Ausmusterung. Zusätzlich beschreiben die Verwendungsgrade die Einsatzmöglichkeiten mit oder ohne Einschränkungen genauer.

Ist die Musterung verpflichtend und was passiert bei Nichterscheinen?

Für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 ist die Teilnahme verpflichtend, sobald die Vorladung erfolgt. Unentschuldigtes Fernbleiben sowie falsche oder unvollständige Angaben können als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld geahndet werden.

Müssen Kriegsdienstverweigerer trotzdem zur Musterung?

Ja. Auch wer den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen möchte, muss grundsätzlich zur Musterung erscheinen. Musterungspflicht und Kriegsdienstverweigerung sind zwei getrennte Verfahren, das Grundrecht aus Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes bleibt bestehen.

Militärstiefel und taktische Soldatenausrüstung der Bundeswehr mit Feldflasche und Handschuhen auf Holzgrund.

Quellen

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Dein Weg zur BundeswehrMusterung, Laufbahn und Einstellungstest, ohne erfundene Zahlen erklärt.